StartKletternPaul-Preuss-Preis für Igor Koller im Wiener Rathaus

Paul-Preuss-Preis für Igor Koller im Wiener Rathaus

Jan Mersch würdigt Igor Koller für sein Lebenswerk und seinen Einfluss auf den Alpinismus

Der Rahmen für die Verleihung des Paul-Preuss-Preises an Igor Koller hätte kaum repräsentativer sein können: Zum Auftakt der Internationalen Bergtage Wien überreichte Joe Bachler, Obmann der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG), am 25. September 2026 die Skulptur von Paul Preuss an den slowakischen Spitzenkletterer. Die feierliche Preisverleihung fand im Sitzungssaal des Stadtsenats im Wiener Rathaus statt.

Igor Koller ist damit der 14. Preisträger des Paul-Preuss-Preises, einer inzwischen renommierten Auszeichnung für herausragende Leistungen und besonderes Engagement im Bergsteigen und Klettern.

Jan Mersch würdigt Igor Kollers Einfluss auf das Klettern

In seiner Laudatio würdigte der Bergführer und Psychologe Jan Mersch Igor Koller als außergewöhnlichen Kletterer und prägenden Vertreter des Alpinismus. Besonders hob Mersch Kollers Fähigkeit hervor, mit seiner Begeisterung Nationen und Generationen miteinander zu verbinden.

Seine Erstbegehungen seien auch für Wiederholer bis heute höchst anspruchsvoll. Koller verdiene, so Mersch, „wirklich Anerkennung und Bewunderung für seinen Einfluss in der Bergsteigerszene“.

Besonders beeindruckend sei dabei die außergewöhnliche Dauer von Kollers aktiver Laufbahn. „Über so viele Jahrzehnte aktiv und klar zu sein, das ist einzigartig“, betonte Mersch.

Igor Koller: Erstbegehungen in Sandstein, Tatra und Alpen

Der heute 74-jährige Igor Koller kletterte über Jahrzehnte hinweg im Sandstein und in der Tatra unzählige schwere Routen. Seine Aktivitäten führten ihn außerdem in die Westalpen, ins Bergell und an die Marmolada.

Jan Mersch verwies in seiner Laudatio nicht nur auf Kollers körperliche Leistungsfähigkeit, sondern ebenso auf dessen psychische Stärke. Zu den besonders prägenden Leistungen zählen mehrere bedeutende Erstbegehungen.

„Edge Of Kalamarska“ – ein persönliches Highlight

Besonders ausführlich ging Mersch auf die Erstbesteigung der „Edge Of Kalamarska“ im Sandstein von Teplice im Jahr 1971 ein.

Die Route war damals lange eine der schwersten Kletterrouten. Für Koller sei sie bis heute ein persönliches Highlight, weil sie ihm psychisch und physisch „einhundertzehn Prozent“ abverlangt habe. Zugleich sei die Begehung für ihn eine tiefgreifende emotionale Erfahrung gewesen.

„Fisch“ an der Marmolada

Auch die Route „Fisch“ an der Marmolada aus dem Jahr 1981 hob Mersch besonders hervor. Die Route sei wild und gewagt gewesen, habe aber vor allem eine Bedeutung für die Diskussion über Einfluss und Ethik im Alpinismus entwickelt.

Damit reicht die Bedeutung dieser Kletterleistung weit über die reine Schwierigkeit der Route hinaus und berührt Fragen, die die Bergsteigerszene bis heute beschäftigen.

„The Nose“ am El Capitan mit 64 Jahren

Ein weiteres Beispiel für Kollers außergewöhnliche Leistungsfähigkeit ist seine Begehung von „The Nose“ am El Capitan im Jahr 2016. Koller war zu diesem Zeitpunkt 64 Jahre alt.

Für Mersch zeigt diese Leistung, dass Kollers Einfluss nicht allein auf historischen Erstbegehungen beruht, sondern auch auf seiner über Jahrzehnte erhaltenen körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit.

Gemeinschaft, Respekt und Freude am Klettern

Bereits zuvor hatte Joe Bachler als Obmann der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft insbesondere Igor Kollers Leichtigkeit beim Klettern sowie dessen Einfluss auf Ethik, Diskussion und Verständigung hervorgehoben.

In seinen Dankesworten bestätigte Koller jene Werte, die die IPPG mit seinem Lebenswerk verbindet: Gemeinschaft, Ehrlichkeit, Demut, Respekt und Freude am gemeinsamen Leben – und an der gemeinsamen Leidenschaft für das Klettern.

Damit spiegelte seine Rede zugleich jene Grundhaltung wider, die mit der Verleihung des Paul-Preuss-Preises gewürdigt wurde.

Igor Koller und die Ethik des Bergsteigens

Jan Mersch betonte in seiner Laudatio außerdem Kollers Einfluss auf nationale und internationale Kletterorganisationen. Ebenso verwies er auf dessen vielbeachtete Vorträge und seine Beteiligung an Diskussionen über die Ethik des Bergsteigens.

Mersch verband seine Würdigung schließlich mit einem persönlichen Wunsch: Sein Freund möge noch viele weitere Klettererlebnisse sammeln können.

Joe Bachler schloss sich diesem Wunsch an und überreichte Igor Koller unter großem Beifall der rund hundert Gäste den Paul-Preuss-Preis.

Internationale Bergtage Wien mit prominenten Kletterern

Zum Auftakt des Abends sahen die Gäste einen Film von Lutz Maurer aus der ORF-Sendung „Land der Berge“ über Paul Preuss. Hanspeter Eisendle kommentierte den Film.

Anschließend diskutierten die Spitzenkletterer Gerlinde Kaltenbrunner, Barbara Zangerl und Alexander Huber in einem Bühnengespräch über Fragen des modernen Alpinismus.

Barbara Zangerl war 2025 mit dem Paul-Preuss-Preis ausgezeichnet worden, Alexander Huber erhielt die Auszeichnung 2017.

Die Diskussionen über den Alpinismus wurden am folgenden Tag im Vereinshaus der Sektion Austria fortgesetzt. Die Veranstaltung fand im Rahmen der von der ÖAV-Sektion Austria und den Naturfreunden Wien veranstalteten Internationalen Bergtage Wien statt.

Paul-Preuss-Preis würdigt Igor Kollers Lebenswerk

Mit der Verleihung des Paul-Preuss-Preises an Igor Koller würdigte die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft nicht nur einen außergewöhnlichen Kletterer und seine bedeutenden Erstbegehungen.

Im Mittelpunkt standen ebenso sein jahrzehntelanger Einfluss auf die Bergsteigerszene, sein Engagement für die Diskussion über Ethik im Alpinismus sowie seine Verbindung von Kletterleistung, Gemeinschaft und persönlicher Haltung.

Hans Helmberger / 27.09.2026