Donnerstag, Januar 8, 2026
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Richárd Bozsik – ein ungarischer Gentleman der Kletterszene

Begegnung in der Arena bei Mixnitz

Ich lernte Richárd Bozsik im Mai vergangenen Jahres in der Arena bei Mixnitz im Grazer Bergland kennen. Zunächst dachte ich, er sei der Trainer des jungen Kletterers, den er in der Kultroute „Train and Terror“ (8a) sicherte. Doch als er sich selbst ins scharfe Ende des Seils band und die Route in einem beeindruckenden Vorstieg punktete, war sofort klar:
Hier steht ein echtes Urgestein der ungarischen Kletterszene vor mir.

Interview: Richárd Bozsik über Sportklettern, Mixnitz und die ungarische Kletterszene

von Horst Jobstraibitzer

„Train and Terror“ (8a) in Mixnitz – kein Limit in Sicht

Horst:
Hey Richárd, ich habe dich gerade beobachtet, wie du die Kultroute „Train and Terror“ (8a) in der Arena bei Mixnitz im Grazer Bergland gepunktet hast. Das sah nicht nach deinem Limit aus. Bist du noch weitere Routen hier geklettert?

Richárd:
Hey Horst! Es war wirklich schön, dich hier an deinem Kletter-Jahrestag kennenzulernen.
48 Jahre klettern? Oh mein Gott!

Nach meinem Durchstieg von Train and Terror war ich auf der Suche nach einer weiteren 8a-Sportkletterroute in der Nähe. Ich mag kurze, boulderartige Routen, und du hast mir „Hobkobold“ in der hinteren Arena empfohlen. Leider waren die Bedingungen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit extrem schlecht, sodass ein Rotpunkt-Durchstieg nicht möglich war. Aber ich bin fest entschlossen, im Herbst wieder nach Mixnitz zu kommen.

Abgesehen von Train and Terror bin ich hier noch keine weitere Route geklettert. Du hattest den Eindruck, ich wäre nicht am Limit gewesen? Für mich war es ein harter Kampf – aber ja, ein bisschen Reservepower im Chalkbag war noch da.


Klettern zwischen Ungarn und Österreich

Der Weg von Tata (Ungarn) nach Mixnitz ist relativ weit. Deshalb fahre ich zum Klettern meist zur Hohen Wandoder ins Höllental – das ist etwa nur die halbe Strecke.

Ich bevorzuge kurze bis mittellange Sportkletterrouten, vor allem im Überhang. Genau diese Art von Routen reizt mich und danach suche ich gezielt.


Aktuelles Kletterlevel und Trainingsfokus

Horst:
Wie schwer kletterst du aktuell? Wo liegt dein Limit?

Richárd:
Im Sportklettern liegt meine Grenze aktuell bei 8a+/8b.
Beim Bouldern etwa bei 7c, aber darauf liegt nicht mein Fokus – das ist mir nicht so wichtig.

Meistens klettere ich mit meinem 14-jährigen Sohn, er ist mein Hauptkletterpartner. Oft ist auch meine Freundin dabei, sie ist eine ungarische Kajak-Legende.


Der Beginn einer Kletterleidenschaft

Ich habe am 27. August 1997 mit dem Klettern begonnen. An diesem Tag war ich zum Wandern in den Pilis-Hügeln bei Budapest. Am Eisernen Tor (Vaskapu) beobachtete ich einen Kletterer in einer überhängenden Grotte.
Es sah völlig unmöglich aus – und genau da wusste ich: Das ist es. Das will ich auch machen.

Das war der Tag, an dem ich entschied, mein ganzes Leben lang so viel wie möglich zu klettern. Ich war 24 Jahre alt.

Die ersten eineinhalb Jahre kletterte ich ohne Pause: jeden Tag, nach der Arbeit bis zur Dunkelheit, drei bis fünf Stunden – auch zu Weihnachten und Neujahr.


Richárd Bozsik in der Route Sarlatan 8b
Richárd Bozsik in der Route Sarlatan 8b

Die härtesten Routen: Kis Geri und „Deadline“ (8b+)

Meine härtesten Routen kletterte ich im Gebiet Kis Geri, etwa eine Autostunde von Budapest entfernt. Es ist mein Heimgebiet, wo ich die meiste Zeit verbracht habe und an meine absolute Grenze gegangen bin – bis 8b+.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir „Deadline“ (8b+). Kein Wunder:
Die Route beschäftigte mich eineinhalb Jahre und rund 180 Versuche.

Am Tag des Durchstiegs war es bitterkalt: –5 Grad und zehn Zentimeter Schnee. Ein alter Freund sicherte mich und redete zur Ablenkung die ganze Zeit über Rennautos. Das half – ich vergaß an der Crux zu stürzen und realisierte erst später, dass ich die härtesten Züge bereits hinter mir hatte. Mit absackenden Ellenbogen, aber voller Fokus, schaffte ich es bis zum Umlenker.


Klettern in Ungarn – Gebiete und persönliche Favoriten

Horst:
Wo kann man in Ungarn klettern und welche Gebiete gefallen dir besonders?

Richárd:
Es gibt viele Klettergebiete in Ungarn: rund um Budapest, im Bükk-Gebirge, in den Zemplén-Hügeln, im Süden nahe den Mecsek-Hügeln oder nördlich des Balaton.

Mein persönlicher Favorit ist der Gerecse-Hügel. Seit meinem ersten Kletterabenteuer dort ist er mein geistiges Zuhause.
Nach über 40 Jahren in Budapest sind wir inzwischen in ein kleines Dorf ganz in der Nähe gezogen, um auf einem Weinberg zu leben. Jetzt ist es auch mein echtes Zuhause.


Die ungarische Kletterszene heute

Horst:
Gibt es in Ungarn eine Kletterszene – und wo liegt ihr Zentrum?

Richárd:
Ja, definitiv. Die ungarische Kletterszene deckt alle Disziplinen ab: vom traditionellen Bergsteigen und Expeditionen auf Achttausender über Sportklettern, Bigwall-Klettern bis hin zum Bouldern.

Es gibt großartige Leistungen, starke Schwierigkeitsgrade und echte Helden im traditionellen Klettern. Kurz gesagt: alles, was sich ein Kletterer wünschen kann.


Faktenbox: Richárd Bozsik

Name: Richárd Bozsik
Geboren: 21.09.1973, Budapest (Ungarn)
Wohnort: Tata/Baj (Ungarn)
Beruf: Ingenieur, Vehicle Test Expert bei Robert Bosch

Bestleistungen am Fels:

  • Seilklettern: 8b+

  • Bouldern: 8a (Herbst 2025)

Wettkämpfe:

  • International: Platz 20 von 120 Teilnehmern

  • Lokal: Aggtelek Cup 2025 – Sieg U18 & Senioren gemeinsam mit seinem Sohn

Sponsor: Meine Freundin Fatime (Trainerin & Trainingsplan)
Lieblingsessen: Chili (überall!), Pasta, Kaffee
Ich liebe: Familie, Rennwagen Baujahr ’72, Kampfsport, Kletterfreunde
Ich hasse: schlechte Laune
Ziele: meine Kinder aufwachsen sehen, härter klettern, Vollgas mit dem roten Racer
Zukunft: Arbeit an einer 9a in Kis-Geri – gemeinsam mit meinen Kindern


Vielen Dank für das Interview, Richárd

Alles Gute für 2026 – dir und deinen Lieben!


Richárd Bozsik mit seiner Familie beim Aggtelek Cup
Richárd Bozsik mit seiner Familie beim Aggtelek Cup

Aggtelek Cup – Geschichte & Emotion

Der Aggtelek Cup ist der älteste Kletterwettbewerb der Welt, gegründet 1974 – im Jahr meiner Geburt.
2025 fand der 52. Cup statt, kurz vor meinem 52. Geburtstag.

Mein ältester Sohn gewann Kategorie B, ich gewann die Seniorenklasse.

Danke an Gott, an die weltbeste Trainerin Fatime Szilágyi, an Ervin Nagy für die Beta und an die Organisatoren dieses einzigartigen Events.

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